Kathedrale des heiligen Vitus in Prag
Das Bild zeigt die Kathedrale beim Prager Schloss, die größte und zumindest früher einmal wichtigste Kirche Tschechiens, im gotischen Stil ab 1344 erbaut und dem heiligen Vitus, einem der Patrone Böhmens und Prags und einem der vierzehn Nothelfer, gewidmet.
Leider befindet sich diese Kathedrale seit 1954 nicht mehr im rechtmäßigen Besitz der Kirche. Das damalige kommunistische Regime eignete sich den gesamten Komplex des Prager Schlosses inklusive der Kathedrale ungerechterweise an und selbst nach Ende der Diktatur verblieb sie in staatlichem Besitz.
Das führt zu der wenig erbaulichen Situation, dass jeder, der in der Kathedrale beten oder in Andacht einige Reliquien des heiligen Vitus besuchen möchte, welche in einer Kapelle im Prager Schloss verwahrt werden, nicht gerade wenig Eintrittsgeld dafür bezahlen muss.
Der Ursprung des Baus des Veitsdoms im Sinne einer Vorläufer-Kirche liegt im Erwerb einer Armreliquie des heiligen Vitus durch den böhmischen Fürsten Sankt Wenceslaus, der im 10. Jahrhundert lebte, in sehr jungen Jahren den Märtyrertod starb und dessen Reliquien sich seit 938 ebenfalls in nämlicher Kathedrale befinden.
Einer der vierzehn Nothelfer
Der heilige Vitus – im deutschen Sprachraum oft auch: heiliger Veit – ist noch einer der bekannteren vierzehn Nothelfer, aber insgesamt ist das Wissen um dieselben und die Andacht zu ihnen nicht mehr weit verbreitet.
Heute, am 9. Oktober, wird eines anderen aus dieser Gruppe der Nothelfer gedacht, dem heiligen Dionysius von Paris (St. Denis), der Mitte des 3. Jahrhunderts vom damaligen Papst zur Mission nach Gallien gesandt wurde und dort nach einiger Wirktätigkeit mit seinen Gefährten das Martyrium durch Enthauptung erlitt.
Der Kult der vierzehn Nothelfer verbreitete sich vor allem im von Pestwellen und Kriegen geplagten Spätmittelalter und wurde durch die Vision eines Schäfers bei einem Zinsterzienserkloster in Oberfranken Mitte des 15. Jahrhunderts bestätigt: Ihm erschienen alle vierzehn Nothelfer (Achatius, Egidius, Barbara, Blasius, Christophorus, Cyriacus, Dionysius, Erasmus, Eustachius, Georg, Katharina, Margareta, Pantaleon, Vitus), am Ort dieser Erscheinung wurde daraufhin die noch heute als Wallfahrtsort besuchte Vierzehnheiligen-Basilika errichtet.
Märtyrer aus dem Jahr 304
Die Geschichte des heiligen Vitus ist die Geschichte eines Märtyrers aus dem 3. Jahrhundert nach Christus, der seinen christlichen Glauben in einem feindlichen heidnischen Umfeld behauptete.
Er war der Sohn eines heidnischen Senators, der schon als junges Kind von seiner Amme und seinem Erzieher zum Glauben bekehrt wurde. Sein Vater hatte wenig Gefallen an dieser Tatsache.
Auf verschiedene Weise bemühte er ich, seinen Sohn von diesem Weg wieder abzubringen. Unter anderem sperrte er ihn mit musizierenden und tanzenden jungen Mädchen ein, die die Aufgabe hatten, Vitus zu verführen. Doch dieser bewahrte die Tugend der Keuschheit, ein Kampf, bei dem ihn sieben Engeln unterstützten. Sein Vater wurde Zeuge dieser Szene und erblindete darüber, bis das Gebet seines Sohnes ihn zu heilen vermochte.
Nichtsdestotrotz ließ der Heide nicht ab von der Verfolgung seines eigenen Kindes, sodass Vitus mit seiner Amme und seinem Lehrer fliehen musste. Sie wurden schließlich jedoch ergriffen und zum Kaiser nach Rom gebracht, Kaiser Diokletan.
Auch dort geschahen Heilungswunder durch Vitus. So wurde des Kaisers besessener Sohn befreit. Weil sich Vitus und seine Begleiter aber weigerten, den heidnischen Göttern Opfer darzubringen, landeten sie im Gefängnis. Man versuchte sie mit schweren Eisenplatten zu töten, doch Engel wehrten diese ab. Sie überlebten danach auch einen heißen Ölkessel, den Angriff eines Löwen, der sanft wie eine Katze wurde, und eine Folterbank. Blitze und Erdbeben, welche heidnische Tempel zum Einsturz brachten, zeugten von ihrem übernatürlichen Schutz.
Von Engeln geleitet kehrten die drei – der heilige Vitus, die heilige Crescentia und der heilige Modestus – an ihren ursprünglichen Zufluchtsort zurück und starben gemeinsam ins Gebet vertieft am Ufer eines Flusses. Eine gläubige Witwe fand die drei Märtyrer und sorgte für ihre Bestattung.
Patronate des heiligen Vitus
Der heilige Vitus, dessen Festtag der 15. Juni ist, erfreute sich über viele Jahrhunderte einer großen Verehrung. Sein Patronat umfasst Berufe des einfachen Volkes wie Gastwirte, Winzer, Bierbrauer, Bergleute, Kupferschmiede – und für Landwirte die gute Saat und Ernte.
Er wehrt Unwetter, Blitz und Feuer ab; hilft bei der Bewahrung der Keuschheit, bei Aufregung, Hysterie, Krämpfen, Epilepsie, Nervenstörungen, neurologisch bedingten Sprachproblemen, bei Augen- und Ohrenleiden; und schützt Haustiere, Kinder und Jugendliche, Tänzer und Schauspieler. Tatsächlich liegen die Ursprünge des Prager Theaters in den liturgischen Spielen in Kirchen wie dem Veitsdom.
Heiliger Vitus, bitte für uns!
