Franziskaner des dritten Ordens
Der 800. Todestag des heiligen Franziskus von Assisi liegt erst wenige Tage zurück. Ein Sohn des heiligen Franziskus, der etwas in Vergessenheit geraten zu sein scheint, aber in früheren Jahrhunderten sehr verehrt und insbesondere zu Zeiten von Epidemien häufig um Hilfe angerufen wurde, ist der heilige Rochus, um das Jahr 1295 geboren, am 16. August 1327 in noch jungen Jahren verstorben, welcher dem dritten Orden der Franziskaner angehörte.
Rochus, der Pilger
Der heilige Rochus stammt aus einer alten Adelsfamilie aus Montpellier in Südfrankreich. Seine Eltern Johannes und Libera waren sehr fromme Christen, doch blieben lange ohne Kind. Sie baten die heilige Jungfrau Maria um ihre Fürsprache für den Segen eines Kindes, welcher ihnen gewährt wurde, tauften den Jungen auf den Namen Rochus und erzogen ihn zu Frömmigkeit und Tugend. Bei Rochus zeigte sich früh eine Neigung zu Akten der Buße und des Opfers. Er kümmerte sich insbesondere um die Armen in seiner Heimatstadt.
Er verlor seine beiden Eltern innerhalb kurzer Zeit, als er gerade erst zwanzig Jahre alt war. Danach faßte er den Entschluss, eine Pilgerreise nach Rom zu unternehmen, zu den Gräbern der Apostel – in einfachen, armen Kleidern, mit Sandalen, Wanderstab und Pilgerhut. Man findet ihn in Kirchen in dieser Pilgerkleidung dargestellt. Seine Reise war geprägt von Gebet und dem Erbetteln von Almosen ganz gemäß den Satzungen des franziskanischen Ordens.
Rochus, der Krankenpfleger und Wunderheiler
Eine Pest-Welle erfasste Europa zu der Zeit. Die Seuche war sehr ansteckend und führte oft schon innerhalb von wenigen Stunden zum Tod. Lediglich die Klöster und Orden kümmerten sich treu um die Kranken und Toten, da die Menschen ansonsten bemüht waren, sich vor Ansteckung zu schützen.
Viele Franziskaner opferten ihr Leben in der Pflege der Pestkranken. Auf dem Weg nach Rom machte Rochus Station in einer italienischen Stadt, die von dieser Seuche geplagt wurde. Rochus meldete sich freiwillig im Hospital für die Versorgung der Siechenden und kümmerte sich um ihren Leib und ihre Seele.
Gott begann Wunder durch Rochus zu wirken, insofern alle Kranken, denen der eifrige franziskanische Pfleger ein Kreuz zum Segen auf die Stirn zeichnete, wieder gesund wurden. Diese Wunder wiederholten sich in weiteren Ortschaften, die Rochus auf seinem Weg durch Rom zu durchqueren hatte.
In Rom bot sich ein nicht weniger schreckliches Bild der durch die Pest verursachten Leiden. Der Kardinal, der die Schutzherrschaft über das dortige Hospital ausübte, wurde selbst von der Krankheit erfasst, aber vom heiligen Rochus auf die nämliche Weise geheilt. Rochus half nach seinem Rom-Aufenthalt noch in vielen anderen Städten.
Rochus, der in Gebet und Buße lebende Einsiedler
Schließlich aber wurde er selbst aufs Krankenlager geworfen. Er wurde deswegen sogar aus der Stadt, in der er sich zu diesem Zeitpunkt aufhielt, ausgewiesen und musste einsam und trostlos Zuflucht in einem nahe gelegenen Wald suchen. Er soll dort durch eine auf wundersame Weise aus dem Stein entsprungene Quelle seinen Durst gestillt haben und wurde alsbald durch einen Adligen aus der Nähe namens Gotthard mit Essen versorgt.
Zunächst war es aber dessen Jagdhund, der den heiligen Rochus fand und ihm täglich Brot brachte. Viele Darstellungen des Heiligen zeigen Rochus mit diesem Hund.
Gotthard ging der Sache auf den Grund, fand den einsamen, von seinem Hund besuchten Kranken im Wald und folgte zunächst seinem Impuls, sich vor ihm zu schützen und sich zurückzuziehen, ehe ihn Gewissensbisse ergriffen und er Rochus sogar den Aufenthalt in seinem Haus anbot. Doch Rochus bevorzugte den Wald. Gotthard besuchte ihn fortan täglich und gab dann sogar alles auf, um mit Rochus im Wald zu leben und sein Schüler zu werden. Es entstand eine tiefe Freundschaft zwischen ihnen.
Nach einiger Zeit kehrte Rochus vorübergehend in die Stadt zurück, die ihn verjagt hatte, und Gott schenkte erneut Heilungswunder durch sein Gebet.
Rochus und Gotthard lebten danach weiter gemeinsam in Gebet und Buße im Wald, bis Rochus im Gebet vernahm, er solle in sein Heimatland zurückkehren. Die beiden Freunde mussten sich voneinander trennen und Rochus wanderte den langen Weg zurück nach Montpellier.
Rochus, der Unerkannte, der zu Unrecht Verurteilte und der Freiheit Beraubte
In seiner Geburtsstadt wurde er nach vielen Jahren Abwesenheit, in denen er sich verändert hatte, nicht mehr erkannt. Es herrschte Krieg und der Fremde wurde als Spion verdächtigt und eingesperrt, sodass Rochus fünf lange Jahre im Gefängnis zubringen musste.
Er verharrte im Gebet, in Geduld, in Schweigen und behielt sein demütiges und sanftmütiges Herz.
Als Rochus im Alter von 32 Jahren nach all den Härten seines Lebens den Tod nahen fühlte, erbat er sich einen Priester für den Empfang der Sterbesakramente. Der Heilige bat Gott um die Gnade, dass alle, die seinen Namen anrufen, von der Pest befreit werden mögen. Licht umstrahlte ihn auf seinem Sterbebett und man erzählte in der Stadt von seinem heiligen Tod, bis diese Nachricht den Gouverneur der Stadt dazu veranlasste, das Totenbett im Gefängnis zu besuchen.
Der Gouverneur, verantwortlich für Rochus’ Haft, war sein Cousin und erkannte seinen eben verstorbenen Verwandten erst jetzt – und zwar an einem kreuzförmigen Muttermal auf der Brust, mit dem Rochus geboren worden war.
Patronate des heiligen Rochus
Viele Wunder ereigneten sich am Grab des heiligen Rochus, der in der Hauptkirche von Montpellier beigesetzt wurde, und in ganz Europa verehrte man diesen Heiligen fortan als Wunderhelfer in Zeiten von Pest und Krankheit. Sein Patronat umfasst unter anderem Gefangene, Kranke, Krankenhäuser, Ärzte, Chirurgen und Apotheker.
Heiliger Rochus, bitte für alle Kranken und Leidenden und für alle Ärzte und Pfleger!
Gebet um Entflammung des Herzens
O Jesus, der du gekommen bist, um das Feuer der Liebe zur Erde zu bringen, und so sehnlichst verlangtest, dass es in allen Herzen brenne, du hast mit den Flammen dieser Liebe das Herz deines heiligen Bekenners Rochus so erfüllt, dass sein ganzes Leben ein stetiges Brandopfer der glühendsten Liebe war zu dir und zu den geringsten deiner Brüder, zu den Armen, Kranken und Notleidenden.
Gib auch mir, o Herr, die Gnade dieser heiligen Liebe, dann bin ich reich genug. Entflamme mein Herz, damit es immerdar nur für dich entbrenne. Entzünde es mit opferwilliger Hingabe zu meinen Mitmenschen, damit ich auch des Lohnes teilhaftig werde, den du den Barmherzigen verheißen hast. Amen
Herz Jesu, brennend von Liebe zu uns, entzünde unser Herz mit Liebe zu dir.
Selig sind die Barmherzigen, sie werden Barmherzigkeit erlangen.
Bitte für uns, o Heiliger Rochus, auf dass wir würdig werden der Verheißungen Christi.
aus einem Rochus-Heft des Franziskus-Verlags 2001, hrsg. v. Maria Luisa Hodel
