Königin des heiligen Rosenkranzes, Hilfe der Christen, Zuflucht des menschlichen Geschlechts, Siegerin in allen Schlachten Gottes!
Beginn des Weihegebets an das Unbefleckte Herz Mariens jährlich am Fest Maria Königin, am 31. Mai
31. Mai, Fest Maria Königin, von Papst Pius XII. im Jahre 1954 mit der Enzyklika Ad caeli reginam eingesetzt mit der Anordnung, die Weihe des Menschengeschlechts an das Unbefleckte Herz Mariens an diesem Festtag jährlich zu erneuern.
Die folgende Darstellung zu wichtigen Etappen der Geschichte der Verehrung Mariens als Schutzfrau Bayerns beruht auf Informationen, die verschiedenen Veröffentlichungen des in München geborenen und in Regensburg verstorbenen Prälaten Emmeram H. Ritter (1927-2021) entnommen sind, welcher sich sehr für die Verehrung Mariens als Patrona Bavariae eingesetzt hat.
Zunächst zeugen marianische Wallfahrtsorte in ganz Bayern, wie die Gnadenkapelle in Altötting, von einer schon seit Beginn der Christianisierung Bayerns bestehenden Verehrung der Gottesmutter.
Altötting ist sicher der berühmteste Wallfahrtsort des ganzen deutschen Sprachraums. Hier stand schon in frühkarolingischer Zeit eine Kapelle, in der all die Jahrhunderte hindurch das Gebet niemals verstummt ist.
Prälat E. H. Ritter
hier zitiert nach: Maria. Schutzfrau Bayerns. Ehrengabe für H.H. Prälat BGR Emmeram H. Ritter zum 75. Geburtstag, hrsg. v. Georg Franz X. Schwager, Verlag Abteilung für Selig- und Heiligsprechungsprozesse für das Bistum Regensburg 2002, S. 76
1391 führte man das dreimalige tägliche Glockenläuten für das Gebet des Engel des Herrn ein.
Proklamation Mariens als Schutzfrau Bayerns durch Kurfürst Maximilian I.
1615/16 ließ Kurfürst Maximilian I. die neu erbaute Residenz in München mit einem Bronzestandbild Madonna mit Kind als Haus- und Schutzmadonna an der Außenfassade schmücken. Das Standbild stammte von einem oberbayerischen Künstler und sollte in der Konzeption an das Gnadenbild von Loreto erinnern.
Maximilian I. ließ die Inschrift „Patrona Boiariae“ unter dem Bild anbringen – Schutzherrin Bayerns. Vor diesem Bild brannte und brennt – die Jahre der antichristlichen Tyrannei der Nationalsozialisten ausgenommen – stets ein Licht, bei Tag und bei Nacht.
Am 8. November 1620 siegten die Soldaten der von Maximilian I. gegründeten Katholischen Liga in der Schlacht am Weißen Berg bei Prag über die protestantischen Truppen.
General der katholischen Truppen war Graf von Tilly, ein großer Verehrer Mariens, dessen Herz in der Gnadenkapelle von Altötting ruht, wo auch die Herzen etlicher bayerischer Herrscher aus dem Hause Wittelsbach beigesetzt sind, einschließlich des letzten regierenden Königs Ludwigs III.
Der Schlachtruf der siegreichen katholischen Soldaten war „Heilige Maria“, ein Abbildung der Gottesmutter zierte auch die weiß-blaue Fahne der Katholischen Liga. Man schrieb den Sieg ihrer mächtigen Fürsprache zu.
Im Jahr 1638 wählte Maximilian I. dann den 7. November aus, um ein Gelübde zu erfüllen – er wählte jenen Tag, an dem man stets eine Dank- und Gedächtnisprozession für den eben erwähnten Sieg bei Prag abhielt.
Als Dank für die Verschonung der Städte München und Landshut im Krieg wurde auf dem zentralen Platz der Stadt, dem damaligen Schrannen- und heutigen Marienplatz, die Mariensäule als öffentliches Denkmal der Verehrung der Gottesmutter und Himmelskönigin als Patronin von Stadt und Land im Rahmen eines großen religiösen Volksfestes feierlich eingeweiht.
Das Standbild Maria mit Kind auf dieser Säule war von einem niederländischen Künstler ursprünglich für den Hochalter der Liebfrauenkirche geschaffen worden.
Maximilian I. kniete vor der Mariensäule nieder und sprach folgende Widmung und Bitte:
Gott, dem Allerhöchsten, der Jungfrau und Gottesgebärerin, der mildreichsten Frau und mächtigsten Beschützerin Bayerns setzt dieses immerwährende Denkmal für die Nachkommen wegen der Erhaltung des Bayernlandes, der Städte, Heere, seiner selbst, seines Hauses und seiner Hoffnungen dankbar und bittend ihr mindester Pflegesohn Maximilian. Herrscher und Heimat und Recht und Habe und Glauben der Väter wahre den Bayern, die dein, Jungfrau Patronin, allezeit!
zitiert nach: Maria. Schutzfrau Bayerns. Ehrengabe für H.H. Prälat BGR Emmeram H. Ritter zum 75. Geburtstag, hrsg. v. Georg Franz X. Schwager, Verlag Abteilung für Selig- und Heiligsprechungsprozesse für das Bistum Regensburg 2002, S. 28
Fortan verbreitete sich die Verehrung Mariens als Schutzfrau Bayerns im ganzen Land, an vielen Orten wurden Mariensäulen errichtet.
Institution des Hochfestes Patrona Bavariae in den Jahren 1916/17
Der letzte regierende König Bayerns, Ludwig III., wandte sich im April 1916, mitten im Ersten Weltkrieg, gemeinsam mit seiner Ehefrau, Königin Maria Theresia, an Papst Benedikt XV. mit der Bitte, er möge die heilige Jungfrau und Gottesmutter Maria ganz offiziell zur Patronin Bayerns erklären.
Diese Bitte wurde ihnen gewährt. Ein Fest zu Ehren der Schutzfrau Bayerns wurde als Hochfest mit Oktav und eigenem Brevier durch Dekrete der Ritenkongregation verbindlich eingeführt.
Dieses Fest wurde dann erstmalig in allen Bistümern Bayerns am 14. Mai 1917 – einen Tag nach der ersten Marien-Erscheinung in Fatima, Portugal – begangen.
Es fällt auf, dass Bayern zum erstenmal das Fest seiner Schutzherrin in jenem ereignisreichen Monat des Jahres 1917 beging, in dem die Gottesmutter zum erstenmal in Fatima erschienen ist.
Prälat E. H. Ritter
hier zitiert nach: Maria. Schutzfrau Bayerns. Ehrengabe für H.H. Prälat BGR Emmeram H. Ritter zum 75. Geburtstag, hrsg. v. Georg Franz X. Schwager, Verlag Abteilung für Selig- und Heiligsprechungsprozesse für das Bistum Regensburg 2002, S. 52
Vergleicht man heute die religiöse und politische Situation Bayerns mit der anderer europäischer Länder, so drängt sich im Zusammenhang mit der notwendigen Umkehr im Sinne von Bekehrung in Kirche und Gesellschaft der Gedanke an eine ‚Bayernsendung‘ auf.
Prälat E. H. Ritter
hier zitiert nach: Maria. Schutzfrau Bayerns. Ehrengabe für H.H. Prälat BGR Emmeram H. Ritter zum 75. Geburtstag, hrsg. v. Georg Franz X. Schwager, Verlag Abteilung für Selig- und Heiligsprechungsprozesse für das Bistum Regensburg 2002, S. 105
Auszug aus einer Rede von Prälat Ritter zum Fest Patrona Bavariae
(…) Bayern hat im Laufe seiner 1400jährigen Geschichte immer wieder seine Verantwortlichkeit für ein christliches Europa unter Beweis gestellt. Man möge sich nur an die Missionierung des Ostens, an die Schlacht auf dem Lechfeld 955 erinnern, oder an die besonders von Bayern aus betriebene Rekatholisierung des deutschsprachigen Raumes im Zeitalter der kirchlichen Erneuerung, an die entscheidende Mitwirkung am Sieg über die Türken 1683 und an die damit verbundene Zurückdrängung des Islams, schließlich aber auch an die Überwindung von Aufklärung und Modernismus, an der gerade bayerische Persönlichkeiten wesentlich Anteil hatten.
Auch in der Gegenwart, und gerade heute, gilt Bayern mit Recht als ein christliches Bollwerk, nicht nur im deutschsprachigen sondern im ganzen europäischen Raum. Um ein christliches Bollwerk zu bleiben, brauchen wir die Hilfe der Patrona Bavariae, die das Volk als Vermittlerin aller Gnaden, vor allem der Gnade des Glaubens verehrt.
Der Name Patrona Bavaria ist geradezu Staatsprogramm. Er ist in seiner rhetorischen und inhaltlichen Prägung äußerst knapp und ideenklar. Er bindet uns ebenso in religiöser wie vaterländisch-heimatlicher Hinsicht. Es gab für Maria kein anderes Gesetz der Lebensgestaltung als Jesus Christus, sein Wort und sein Beispiel. Dies muß auch für uns seine Gültigkeit haben. Das Gesetz Christi – und nichts anderes – muß der Nährboden des öffentlichen und privaten Lebens in unserem Staat sein. An der ewigen Weisheit Gottes, nicht an flüchtigen Tagesmeinungen müssen Gesetzgebung und Staatsführung, Handel und Wandel, Wissenschaft und Volksbildung sich orientieren. Wir verehren mit Recht Maria als Sitz der Weisheit. Wenden wir uns an sie in allen Lebensfragen. „In Treue fest“ ist ein altes bayerisches Losungswort. Nicht umsonst führen wir den Löwen im Wappen. Unsere Rautenfarben sind des Himmels und der Gottesmutter Farben, weiß und blau.
Stehen wir in Treue fest zu Maria, unserer Schutzfrau, die unser Land schon so oft aus geistlicher und leiblicher Not gerettet und uns die landesmütterliche Treue immerfort gehalten hat. Ihrem Zepter wollen wir untertan sein zu jeder Stunde unseres Lebens. Unsere Treue sei das ewige Licht, das vor dem Bild der Patrona Bavariae unauslöschlich brennen möge!
O Königin und Mutter!
Reich‘ uns Deine milde Hand,
halt fest Deinen Schutzmantel ausgespannt
über unser geliebtes bayerisches Vaterland!
Prälat E. H. Ritter
hier zitiert nach: Emmeram H. Ritter: Patrona Bavariae! „Unter Deinen Schutz und Schirm …“, Verlag Bote von Fatima 1987, S. 76–77
Das Bild unserer Schutzpatronin gehört in jedes bayerische Haus, in jede Wohnung, und zwar nach Möglichkeit in den Herrgottswinkel, unter oder neben das Kruzifix.
Prälat E. H. Ritter
hier zitiert nach: Maria. Schutzfrau Bayerns. Ehrengabe für H.H. Prälat BGR Emmeram H. Ritter zum 75. Geburtstag, hrsg. v. Georg Franz X. Schwager, Verlag Abteilung für Selig- und Heiligsprechungsprozesse für das Bistum Regensburg 2002, S. 92
Post scriptum: Mariengelöbnis
Maria, Mutter der Gnade! Wir kommen zu Dir in der Tradition unserer Väter, um Deinen Schutz anzurufen über unser Land und seine Bewohner.
Wir weihen uns Deinem Unbefleckten Herzen. Wir weihen Dir unser Sein und unser Leben, all das, was wir haben, all das, was wir sind.
Mutter des Erlösers, lege Fürbitte ein am Throne des ewigen Vaters, auf daß wir wachsen in der Gnade und Erkenntnis unseres Herrn, Deines Sohnes.
Wir geloben, alles zu tun, auf daß Christus König sei in unserem Land!
Himmlische Mutter! Laß uns stets erkennen, daß nur Christus Jesus der Grundstein und Garant sein kann und daß all unser Mühen und Arbeiten von christlichen Gesetzen und Grundsätzen getragen sein muß.
Wir verpflichten uns, die Gebote Gottes und der Kirche stets zu beachten und das Gesetz Christi im öffentlichen und privaten Leben zu verwirklichen.
Du wunderbare Mutter! Du hast im Geheimnis von Bethlehem den Mutternamen geweiht und im Geheimnis von Nazareth der christlichen Familie ein leuchtendes Beispiel gegeben.
Wir versprechen, unsere Familien zu Kirchen im Kleinen zu gestalten, in denen die ewig gültigen Gesetze der christlichen Sittenlehre beobachtet werden.
Maria, Schutzfrau Bayerns, Du Wahrzeichen sittlicher Hoheit, sei Säule und Standarte für Zucht und Ordnung im öffentlichen Leben! Laß an Deinem Bild die Männer die Ehrfurcht vor dem Geschlecht der Frauen lernen und die Frauen selber ihre Frauenwürde in Ehre halten!
Wir geloben, Deinem Beispiel, Du allzeit reine Jungfrau und Gottesmutter, zu folgen!
Maria, Königin des Friedens! Erwecke in unseren Herzen den Geist der Liebe, damit alle wie Brüder und Schwestern einander verstehen, einander ertragen und einander helfen.
Wir versprechen, in apostolischer Liebe einander zu dienen!
Patrona Bavariae! Du trägst auf Deinem Arm das Christuskind, das die Hand zum Segen erhebt. Erhebe auch Du Deine Mutterhand und gib zusammen mit Deinem göttlichen Sohn den Muttersegen über unser Land und Volk und allen, die um Deinen Segen bitten!
Maria, mit dem Kinde lieb, uns allen Deinen Segen gib! Amen.
zitiert nach: Emmeram H. Ritter: Patrona Bavariae! „Unter Deinen Schutz und Schirm …“, Verlag Bote von Fatima 1987, S. 97-98
