Zu Jerusalem das Gedächtnis des heiligen Schächers, der am Kreuze Christus bekannte und aus seinem Mund das Wort vernehmen durfte: „Heute noch wirst du bei mir im Paradiese sein.“
Römisches Martyrologium für den 25. März
Ein Wunder der göttlichen Gnade
Die Bekehrung des Schächers war ein Wunder der göttlichen Gnade.
hl. Papst Leo der Große
Am Tag der Kreuzigung Christi im Jahr 33 nach Christi Geburt, dem 25. März, derselbe kalendarische Tag, an dem die heilige Jungfrau den Sohn Gottes vom Heiligen Geist empfing, fand ein großes Bekehrungswunder statt: Zwei Räuber und Mörder wurden zur Rechten und Linken Jesu gekreuzigt, teilten dieses Schicksal eines äußerst brutalen und schmerzhaften Todes mit dem König der Juden.
Der eine, den die katholische Tradition unter dem Namen Gestas kennt und auf Jesu linker Seite am Kreuz hing, lästerte den leidenden Messias, der andere mit Namen Dismas, zu Jesu rechter Seite, aber erkannte Jesus als den Erlöser, tat Buße, bekannte Christus öffentlich und bat im Vertrauen auf Jesu Barmherzigkeit um eine große Gnade für seine eigene arme Seele, doch auf eine sehr demütige Weise, denn, seiner Sünden bewusst, wagte er lediglich, darum zu bitten, dass Christus, voll Blut und Wunden, in seiner Herrlichkeit an ihn denken möge. Daraufhin versicherte ihm Jesus das Seelenheil, den Lohn der ewigen Seligkeit.
Der 25. März ist der Festtag des heiligen Dismas, dessen Patronat arme Sünder und schwer Bekehrbare, aber auch Strafgefangene und zum Tode Verurteilte, einschließt sowie die Gnaden einer guten Beichte, der Erlangung der Liebesreue und eines guten Todes.
Die Wandlung des Dismas von einem Mann zahlloser schwerer Sünden zu einem Heiligen, der durch Christus die ewige Seligkeit in Gott erbt, eine Wandlung, die sich in sehr kurzer Zeit vollzieht, eine jener vollständigen Bekehrungen kurz vor dem Tod, die stets wie Gottesbeweise und Beweise der geradezu verrückten Gnade Gottes sind, zeigt die unbändige rettende Macht der Passion und des kostbaren Blutes Christi, das unendliche Erbarmen des heiligsten Herzens Jesu.
Die heilige Maria von Agreda schrieb, dass das Gebet der schmerzhaften Gottesmutter unter dem Kreuz mitwirkte mit Christi Gebet hinsichtlich der Gnade der innerlichen Erleuchtung, die Dismas zuteil wurde.
Zwei Räuber waren sehr unmittelbare Zeugen der Passion Christi, indem sie mit ihm ans Holz geschlagen wurden, doch nur einer öffnete sich der Liebe und Gnade des für alle Menschen leidenden Messias, während der andere in seiner Sünde und Verzweiflung bis zum Ende verharrte.
Alle vier Evangelien erwähnen, dass zwei Verbrecher mit Jesus gekreuzigt wurden. Das Lukas-Evangelium berichtet von der Bekehrung des einen zur Rechten Jesu:
Mit ihm wurden aber auch noch zwei Missetäter zur Hinrichtung geführt. Als man an den Ort gelangte, der „Schädel“ heißt, kreuzigte man ihn dort und die Verbrecher, den einen zu seiner Rechten, den andern zu seiner Linken. Jesus aber sprach: Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun! Sie verteilten dann seine Kleider, indem sie das Los warfen. Das Volk stand da und schaute zu. Die Ratsmitglieder aber verspotteten ihn: Andern hat er geholfen, er mag sich selbst helfen, wenn er der Gesalbte Gottes, der Auserwählte, ist. Auch die Soldaten verhöhnten ihn. Sie traten hinzu und boten ihm Essig an mit den Worten: Wenn du der König der Juden bist, so hilf dir selbst! Über ihm war eine Inschrift angebracht (in griechischer, lateinischer und hebräischer Sprache): Das ist der König der Juden. Einer von den gehenkten Verbrechern lästerte ihn: Bist du nicht der Messias? Dann hilf dir selbst und uns! Der andere aber wies ihn zurecht mit den Worten: Fürchtest auch du Gott nicht, da du doch die gleiche Strafe erleidest? Wir freilich leiden mit Recht; denn wir empfangen die gerechte Strafe für unsere Taten; dieser aber hat nichts Böses getan. Dann sprach er: Jesus, gedenke meiner, wenn du in dein Reich kommst! Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradiese sein.
Lukas 23: 32-43
Aufgrund dieses Berichts kann man über den heiligen Dismas wissen, dass ihm die Gnade der Umkehr zuteil wurde, während Christus in seinem freiwilligen Leiden und Opfer unaufhörlich für die Sünder betete und die jüdischen Ratsmitglieder und heidnischen Soldaten ihn in seiner scheinbaren Machtlosigkeit verhöhnten, dass er seine Sünden vor Gott und den Menschen bekannte, den unvorstellbar großen leiblichen Schmerz sowie die öffentliche Schande der Kreuzigung als gerechte Strafe willig annahm, Jesus als den unschuldig leidenden Gottesknecht und Messias erkannte und bekannte, sein weiteres Schicksal im Vertrauen auf dessen Vollmacht, Liebe und Barmherzigkeit auf Christus warf und außerdem an Gestas ein Werk der Barmherzigkeit tat, indem er ihn zurechtwies, ihm Gottesfurcht und Christus, den Gekreuzigten, predigte und ihm ein Beispiel der tätigen Reue, Umkehr und Christusliebe gab.
Der Räuber erbte in einer einzigen Stunde das Paradies.
hl. Cyril von Jerusalem
O du glorreicher Dieb und Räuber des Paradieses! O du höchster Lehrer aller Räuber und du Meister aller Diebe! Das Banner der reuigen Sünder trägst du ins Paradies.
Bartholomäus von Ferrara O.P., zitiert nach: Joseph Schumacher (Hrsg.): Dismas. Der gute Räuber, Theresia-Verlag 2002, S. 86
Begegnung mit dem Jesuskind in Ägypten
Dass Dismas und Jesus einander nicht erst auf dem Berg Golgotha zum ersten Mal, sondern bereits viele Jahre zuvor in Ägypten begegneten, als die heilige Familie auf der Flucht war, ist Teil der überlieferten Dismas-Legende und taucht auch in den Visionen der seligen Anna Katharina Emmerich auf.
Der Herausgeber einer 2001 neu veröffentlichten Ruhmesschrift zu Ehren des heiligen guten Räubers des süddeutschen Jesuiten Franz Schauenburg (1716-1772) fasst die in apokryphen Schriften festgehaltenen Legenden hierzu folgendermaßen zusammen:
Im arabischen Kindheitsevangelium rettet Dysmas großmütig die heilige Familie auf der Flucht nach Ägypten vor seinen übleren Zunftgenossen und erhält die Verheißung durch das göttliche Kind, daß er dereinst gemeinsam mit ihm am Kreuz sterben werde, dann aber mit ihm in das Paradies eingehen werde. Dramatischer noch ist die Darstellung in zwei Handschriften der Pilatusakten, wenn da erzählt wird, daß Dysmas die heilige Familie gastlich in seine Familie aufgenommen habe und daß das göttliche Kind den Sohn des Dysmas vom Aussatz geheilt und endlich dem Vater prophezeit habe, er werde eines Tages zusammen mit ihm gekreuzigt werden.
Joseph Schumacher (Hrsg.): Dismas. Der gute Räuber, Theresia Verlag 2001, S. 10-11
Als vor Herodes’ grimmem Drohen
Die Eltern nach Aegypten flohen
Mit ihrem gottgesandten Kind,
Durch Berg und Klüfte, Nacht und Wind,
Da konnten Schlangen, Löwen, Drachen
Den Heiligen keinen Schaden machen,
Denn das Kind gab seinen Segen
Den wilden Tieren entgegen,
Daß sie entwichen
Und hinwegstrichen.
Und weiter ging es durch’s Gefilde
Und durch der Wüste Wilde.
Wer darüber wollte kommen,
Manchem ward allda benommen
Sein Gut und auch sein Leben.
In einem Wald daneben
Zwölf Gesellen saßen,
Die auf diesen Straßen
Viel des Mordes begingen.
Sie erschlugen und fingen,
Was ihnen entgegen kam.
Jeder nach der Reihe nahm
Die Beute Tag für Tag:
Das war die Sitte, deren man da pflag.
Die Räuber fielen Joseph an.
Da trat derselbe Räubersmann,
Dem am selben Tage heute
Zugehörte die ganze Beute,
Hinzu und sah das heilige Kind
So wunderselig hold und lind,
Das in der Mutter Schoße lag,
Und ward gewahr, wie es pflag
Ihn gar lieblich anzusehen.
Er hörte nicht auf, nach dem Kinde zu spähen,
Deß Antlitz umgab ein heller Schein.
Die falkenlichten Aeugelein
Spielten in dem Haupte gar
So lauter und so klar.
Und der wunderreiche Gott,
Der nach seinem Gebot
In der Wüste aus hartem Stein
Einst Wasser weckte hell und rein,
Erweichte nun durch seine Güte
Ein felsenhart Gemüte.
Er ließ die Wand’rer frei hinzieh’n.
Der Strahl der Gnade traf auch ihn,
Als nach Jahren der Verbrecher
Hing als armer Schächer
Neben Christi Kreuz. Der wies
Den Dismas in das Paradies.
Richard von Kralik: Goldene Legende der Heiligen, von Joachim und Anna bis auf Constantin den Großen, Allgemeine Verlags-Gesellschaft München, 18. Kapitel: Die Flucht nach Ägypten
Prälat Robert Mäder über den heiligen Dismas
Im ersten Teil seines Werks Die Wiedergeburt des Abendlandes, veröffentlicht während des 2. Weltkrieges im Jahr 1941, erwähnte Prälat Robert Mäder mehrfach den heiligen Dismas, da er hoffte, dass Europa – „durch die jetzige Weltkrise an Händen und Füßen gebunden ans Kreuz geschlagen“ (S. 18) – sich „am Kreuz“ (S. 21) bekehren werde, wie es einst der heilige Dismas tat.
Ueber dem heiligen Berg lastet geheimnisvolle Nacht. Wie feurige Pfeile fliegen von allen Seiten die Lästerungen des Hasses und des Hohnes auf das mittlere Kreuz. Die Natur zittert ob dem Ungeheuerlichen. Felsen spalten sich. Der Vorhang des Tempels reißt entzwei. Gräber öffnen sich und geben ihre Toten heraus. Da geschieht Unerhörtes. Das Kostbare Blut des Herrn kommt in Wallung. Ein Tropfen davon fällt auf die Seele des Räubers zur Rechten. Eine neue Welt geht ihm auf. Wie wenn die Sonne aufsteht nach schwerer schwarzer Wetternacht und alle Abgründe der Täler und alle Höhen der Berge mit ihrem Licht überflutet. Dismas bekehrt sich. Aus dem berüchtigten Straßenräuber, dem Schrecken des Volkes, ist plötzlich einer der größten Heiligen aller Zeiten geworden. (…)
Die Umwandlung eines Straßenräubers in einen Heiligen, eines Gottlosen in einen Märtyrer, eines Feindes des Menschengeschlechtes in einen Apostel, ist ein Wunder der Gnade. Aber wir können dabei doch drei Dinge feststellen. Die Wirk-Ursache, Christus. Die Instrumental-Ursache, Maria. Die ausführende Ursache, ein heroischer Wille.
Das Dismas-Wunder ist im letzten und tiefsten Grunde geschehen, weil Christus als Herr der Gnade wollte, daß es geschehe. Christus das leuchtende Licht, die bewegende Kraft, das umgestaltende Prinzip aller Konversion. Konversion ist Bekehrung. Bekehrung aber ist immer das Resultat göttlicher Anziehung. Christus hat in einer feierlichen Gnadenstunde dieses Prinzip der göttlichen Anziehungskraft proklamiert: “Wenn ich von der Erde erhöht sein werde, werde ich alles an mich ziehen.” (…) Christus zieht an und der Mensch läßt sich anziehen. Das ist alles. (…)
Die immer von Jesus ausgehende Anziehungskraft bedient sich in der Regel irgend eines äusseren Vorkommnisses oder eines Wortes. Hier ist es der unmittelbare Anschauungsunterricht, den der Heiland seinem Konvertiten gibt: Die übermenschliche Geduld Jesu in seinen Leiden und Beschimpfungen. Die tiefste Menschenkenntnis bekommt man, wenn man betrachtet, wie einer am Kreuz hängt. (…) Dieser Konversionsunterricht genügte auch für einen ungebildeten Verbrecher.
Das Dismas-Wunder, das christozentrisch erklärt werden muß, muß auch marianisch gewürdigt werden. Zur Rechten ihres göttlichen Sohnes stehend, befand sich Maria zwischen Jesus und Dismas, zwischen dem Richter und dem Schuldigen, zwischen dem Erlöser und dem Erlösungsbedürftigen. Maria erkennt sofort ihren Beruf als Mittlerin und Fürsprecherin, wie sich Jesus seiner Mittlerstellung zwischen dem Vater und der Menschheit bewußt ist. Die erste auffallende Bekehrung kommt also zustande, indem man von Jesus eine Linie zu Dismas und von Dismas eine Linie zu Jesus hinüberzieht und diese beiden Linien treffen sich im Herzen Marias. Sie verlaufen mariazentrisch.
Es gehört zum Wesen der Bekehrung, daß das letzte Wort vom Menschen gesprochen werden muß. Die Gnade kennt keinen Zwang. Nur der Wollende wird bekehrt. Dismas wollte, während der linke Schächer nicht wollte. (…) Wer hat in der Geschichte der Bekehrungen eine derartige Wucht von sittlicher Energie aufgebracht wie dieser Straßenräuber? Wer ist darum ob seiner heroischen Tugend so schnell heiliggesprochen worden (…) von Christus selber, wie dieser Verbrecher? (…)
Dismas hat am Kreuz den unbekannten Gott entdeckt. Den Gott, der die Liebe ist. Die schenkende und verzeihende Liebe zum Menschen. (…) Er sah ihn wie einen Bruder der Menschen. (…) Ein Gott, der so die Menschen liebt, daß er für sie sterben will, muß mit unsagbarer Gegenliebe geliebt werden. Wenn es Religion gibt, dann muß sie in den Augen des Dismas Liebe, unsagbare, grenzenlose Liebe sein (…).
Die Liebe macht gleichförmig. Dismas macht, nachdem er in Jesus Gott entdeckt hat, nun die weitere Entdeckung, daß er diesem gekreuzigten Gott der Liebe in besonderer Weise ähnlich ist. Stigmatisiert wie er. (…) Zu dieser äußeren Aehnlichkeit kommt nach der Bekehrung des Räubers die innere. Das Mitleidenwollen mit Jesus für die Erlösung des Menschengeschlechtes (…).
(…) Dismas sieht nur noch die Passion des Herrn. Er macht die Sache Jesu zur seinen und wird sein Fürsprecher. (…) Und dann sucht er, der erste Missionär des Kostbaren Blutes, auch den Schächer zur Linken zur Furcht und Reue zu ermuntern. Die Liebe macht apostolisch.
Die Liebe zum gekreuzigten Jesus vergißt andererseits nicht die unermeßliche Distanz zwischen einem Verbrecher und einem Gott. Sie ist demütig. Sie bereut und bekennt. Dismas macht vor aller Welt seine Generalbeicht. (…) Nur eine heroische Liebe kann eine solche heroische Reue, eine derart heroische Offenheit und eine solch heroische Bußgesinnung hervorbringen. Und Jesus gibt ihm darum ohne Bedenken Absolution und vollkommenen Ablaß.
Nachdem wir nun derart Zeugen der Generalbeicht eines gekreuzigten Straßenräubers gewesen sind, halten wir nichts mehr für unmöglich.
Robert Mäder: Die Wiedergeburt des Abendlandes, Verlag Nazareth 1941, S. 22-27; 41-43
