Wer soll die Tugenden dieses Menschen preisen?
Johannes Tauler O.P., zitiert nach: Joseph Schumacher (Hrsg.): Dismas. Der gute Räuber, Theresia-Verlag 2002, S. 101
Palmsonntag 2026, Beginn der Karwoche. Die folgenden Gedanken zu acht Tugenden des heiligen Dismas, des guten Räubers am Kreuz zur Rechten Jesu, sind Gedanken von Kirchenvätern und Theologen, die einer Schrift des süddeutschen Jesuiten Franz Schauenburg (1716-1772) entstammen, welcher diese Gedanken für eine neuntägige Betrachtung – eine Novene zu Ehren des heiligen Dismas – zusammenstellte. Die Litanei zum guten Räuber ist ebenfalls dieser Schrift entnommen.
Glaube
Ein großer Glaube wohnte in jenem Räuber, und man darf ihn mit den heiligen Aposteln vergleichen, außer daß er sie bei weitem übertroffen hat.
heiliger Ambrosius von Mailand, zitiert nach: Joseph Schumacher (Hrsg.): Dismas. Der gute Räuber, Theresia-Verlag 2002, S. 82
Der Räuber jedoch hat den Erlöser nicht auf einem Königsthron sitzend gesehen, nicht, wie er im Tempel verehrt wurde, nicht, wie er vom Himmel herab sprach, sondern wie er in der Bestrafung mit ihm, dem Räuber, vereint war. Er sieht ihn bei der Marterung, und betet ihn an wie in der Glorie, er sieht ihn am Kreuz, und bittet ihn, als ob er im Himmel thronte, äußerlich sieht er ihn als bestraften Verbrecher, doch er ruft ihn als König an.
heiliger Johannes Chrysostomus, zitiert nach: Joseph Schumacher (Hrsg.): Dismas. Der gute Räuber, Theresia-Verlag 2002, S. 83
Buße
Der Räuber konnte sich nur durch sein Herz und seine Zunge retten, und beides hat er Gott in vollkommenster Weise dargebracht: sein Herz in völliger Zerknirschung, seine Zunge in einem lauteren und ehrlichen Bekenntnis.
Ludolf von Sachsen, zitiert nach: Joseph Schumacher (Hrsg.): Dismas. Der gute Räuber, Theresia-Verlag 2002, S. 85
Gebet
Mit der ganzen Hingabe seines Geistes und mit der gütigen Kraft seiner Stimme, mit unaussprechlicher Demut und Zerknirschung, aber auch mit einer solchen Hingabe des Herzens, wie sie die Härte der Strafe nun gerade zuließ, mit einer frommen und demütigen Hinwendung seines Angesichtes zum Herrn Jesus hat er dieses Gebet von einer erstaunlichen Vollkommenheit und Kürze hervorgebracht, indem er sprach: Herr, gedenke meiner, wenn du in dein Reich kommst. In diesem Gebet ist alle Vollkommenheit in höchstem Maße enthalten.
heiliger Bernhardin von Siena O.F.M., zitiert nach: Joseph Schumacher (Hrsg.): Dismas. Der gute Räuber, Theresia-Verlag 2002, S. 87
Hoffnung
Und nicht nur seine Hoffnung beweist jener Räuber, sondern auch ein ganz besonderes Vertrauen, denn er hofft ja, obwohl er ein ganz großer Sünder ist, teilhaben zu können an der Barmherzigkeit Gottes.
Franz Lukas Brugensis, zitiert nach: Joseph Schumacher (Hrsg.): Dismas. Der gute Räuber, Theresia-Verlag 2002, S. 89
Dennoch hat er, sozusagen wie ein zweiter Abraham, gegen alle Hoffnung geglaubt.
Erzbischof Giovanni Domenico Mansi, zitiert nach: Joseph Schumacher (Hrsg.): Dismas. Der gute Räuber, Theresia-Verlag 2002, S. 90
Liebe
Als damals sozusagen der Most der Liebe des liebreichen Jesus auf der Kelter des Kreuzes ausgepreßt wurde, von dem die ganze Welt überreich trinken sollte, da durfte er dem Räuber nicht nur in einem kleinen Becher gereicht werden, sondern all sein Denken und Fühlen sollte gleichsam ohne Maß in die Kelter Jesu eingetaucht werden.
heiliger Bernhardin von Siena O.F.M., zitiert nach: Joseph Schumacher (Hrsg.): Dismas. Der gute Räuber, Theresia-Verlag 2002, S. 91
Der gute Räuber liebte Jesus, ohne ein langes Leben oder auch nur das Geringste aus dieser Welt von ihm zu erhoffen oder zu erwarten. Noch nicht einmal das Paradies hat er von ihm erbeten und war zufrieden damit, wenn Jesus sich dort nur mit einem einzigen Gedanken seiner erinnerte. Er liebte Jesus mit der reinen Liebe des Wohlwollens, wie ihn die Seraphim lieben. Welch inbrünstige, welch heiße Liebe des heiligen guten Räubers zu Jesus, dem höchsten Gut!
Guiseppe Marangoni, zitiert nach: Joseph Schumacher (Hrsg.): Dismas. Der gute Räuber, Theresia-Verlag 2002, S. 92
Leidensbereitschaft
Nach dem heiligen Bernhard hat der Räuber das Leiden als Weg des Lebens, als Weg der Ehre und als Weg des Gottesreiches kennen- und liebengelernt.
Théophil Raynaud, zitiert nach: Joseph Schumacher (Hrsg.): Dismas. Der gute Räuber, Theresia-Verlag 2002, S. 94
Geringschätzung gegenüber den zeitlichen Dingen
Selig die geistig Armen. Der Räuber am Kreuz hatte nichts mehr als sein erbärmliches Leben; aber gerade dieses wünschte er nicht für einen Augenblick zu verlängern, auch wenn der andere Räuber genau das von Christus verlangte: Wenn du der Christus bist, dann rette dich selbst und uns! All seine Gedanken richteten sich nur auf Jesus und auf das Reich Jesu. Wie heldenhaft ist eine solche Geringschätzung des Lebens und aller zeitlichen Dinge bei dem Räuber, der bis dahin nur darauf aus war, sein Leben zu behalten und durch Räubereien weiterzuführen. Nun vergißt er alle Schätze und Genüsse, ja sogar das Leben selbst, und will nicht einmal mit Hilfe des mächtigsten Herrschers sein Schicksal ändern.
Giovanni Marangoni, zitiert nach: Joseph Schumacher (Hrsg.): Dismas. Der gute Räuber, Theresia-Verlag 2002, S. 98
Nächstenliebe
Als der gute Räuber am Kreuz hing und körperlich keine Werke der Barmherzigkeit mehr tun konnte, hat er alle möglichen geistigen Werke der Barmherzigkeit ausgeführt. Er belehrte die Unwissenden: Er hat nämlich seinen Gefährten und die Juden und Heiden, die sich damals auf dem Kalvarienberg befanden, darauf hingewiesen, daß Christus unschuldig, daß er heilig und selbst der Sohn Gottes sei. Er hat die Betrübten getröstet; denn durch seine Bekehrung, sein wunderbares Bekenntnis und durch seine Verteidigung des unschuldigen Gottes hat er nicht nur die betrübte Menschennatur Jesu gestärkt, sondern ebenso seine hochbetrübte Mutter.
Er hat seinen Nächsten zurechtgewiesen, indem er seinen ruchlosen Gefährten tadelte. Er hat feindselige Beleidigungen zurückgewiesen, die weniger ihm selbst galten, obwohl ihn die Juden, weil er Jesus öffentlich verteidigt hatte, zweifellos heftig haßten; nein, er hat die Beleidigungen, die Jesus galten, zurückgewiesen, aus dessen Mund er jene Worte hörte: Vater, verzeih ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun. Daher hat er auch alle Leiden, die er ertragen mußte, mit willigem Sinn ertragen.
Er hat für die Lebenden und für die Verstorbenen gebetet. (…) Wer kann nun ernsthaft daran zweifeln, daß er aus Eifer, alle zu retten, nicht nur für sich, sondern für die ganze Welt gebetet hat: Gedenke du aller, wenn du in dein Reich kommst.
Giovanni Marangoni, zitiert nach: Joseph Schumacher (Hrsg.): Dismas. Der gute Räuber, Theresia-Verlag 2002, S. 99-100
Litanei zum guten Räuber aus Lobliedern der heiligen Kirchenväter zusammengestellt
Herr, erbarme dich,
Christus, erbarme dich.
Herr, erbarme dich. Christus, höre uns
Christus, erhöre uns.
Gott Vater im Himmel, – erbarme dich unser.
Gott Sohn, Erlöser der Welt,
Gott Heiliger Geist,
Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott,
Heiliger guter Räuber, – bitte für uns.
Du Wunder der Gnade,
Du Beispiel der einzigartigen Barmherzigkeit Gottes,
Du Lehrer der heiligen Gottesfurcht,
Du außergewöhnlicher Spiegel der Tugenden,
Du einziger Anwalt des unschuldigen Jesus auf dem Kalvarienberg,
Du unerschrockener Bekenner der Gottheit Jesu,
Du Trost des sterbenden Gottessohnes,
Du Freude der schmerzhaften Mutter unter dem Kreuz,
Du seliger Gefährte Jesu am Kreuz,
Du mutiger Verteidiger des gekreuzigten Jesus vor den Gotteslästerern,
Du Vorbild der reuigen Sünder,
Du von Jesus selbst unter die Heiligen Aufgenommener,
Du Erstling der Erlösung am Kreuz,
Du Zuflucht der Sünder, die der Verzweiflung nahe sind,
Du Schutzpatron der Sterbenden,
Du unermeßlicher Abgrund der Gerechtigkeit Gottes,
Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünden der Welt – verschone uns, o Herr.
Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünden der Welt – erhöre uns, o Herr.
Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünden der Welt – erbarme dich unser.
Christus, höre uns,
Christus, erhöre uns.
Herr, erbarme dich,
Christus, höre uns.
Herr, erbarme dich.
Vater unser …
Gebet
Jesus, in deiner unaussprechlichen Barmherzigkeit hast du den einen der beiden mit dir gekreuzigten Schächer umgewandelt, du hast ihn für uns zu einem außergewöhnlichen Vorbild der Bußfertigkeit gemacht und ihn in deinem Reiche für immer deinen Heiligen zugesellt: Gib, daß wir auf seine Fürsprache hin mit Hilfe deiner Gnade würdige Früchte der Buße bringen und in der Stunde unseres Todes, versehen mit den heiligen Sakramenten der Kirche, eingehen dürfen in deine himmlische Herrlichkeit. Der du lebst und herrschst von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
zitiert nach: Joseph Schumacher (Hrsg.): Dismas. Der gute Räuber, Theresia-Verlag 2002, S. 129-130
Gebet zum heiligen Dismas um Geduld im Leiden
Heiliger Dismas, der du auf dem Kalvarienberg auf der rechten Seite Jesu deine Verbrechen am Kreuz gesühnt hast, ich bitte dich, erlange mir, dass ich alle Leiden mit Geduld aus Liebe zu Gott trage, vor meinem Tod meine vielen und schweren Sünden abbüße und am Jüngsten Tag unter die Zahl der Auserwählten gestellt werde. Amen.
Ich glaube, daß dieser Räuber nur unter die erhabensten Fürsten an Gottes Thron gezählt werden darf. Er gehört zu den großen und herausragenden Heiligen des Paradieses.
heiliger Bernhardin von Siena O.F.M., zitiert nach: Joseph Schumacher (Hrsg.): Dismas. Der gute Räuber, Theresia-Verlag 2002, S. 102
Post scriptum: Patronate des heiligen Dismas
Der heilige Dismas ist Schutzpatron der zum Tode Verurteilten, der armen Sünder und der schwer Bekehrbaren, Patron für eine gute Beichte, zur Erlangung der Liebesreue, für einen guten Tod; außerdem ein Schutzheiliger für Heim, Besitztum, gegen Diebstahl, Gewalttaten, Überfälle, Verleumdung und Verzweiflung.
