Neben Ungarn, Polen und neuerdings auch Portugal besitzt allein Bayern das außerordentliche Privileg, die allerseligste Jungfrau und Gottesmutter Maria als Hauptpatronin des Landes verehren zu dürfen.
Prälat BGR Emmeram H. Ritter
Schon seit ältesten Zeiten hat die Gottesmutter Maria in Bayern höchste Verehrung gefunden. (…) Bayern war immer ein Marienland und muss es sein und bleiben!
Unsere Rautenfarben sind des Himmels und der Gottesmutter Farben, weiß und blau.
hier zitiert nach: Maria. Schutzfrau Bayerns. Ehrengabe für H.H. Prälat BGR Emmeram H. Ritter zum 75. Geburtstag, hrsg. v. Georg Franz X. Schwager, Verlag Abteilung für Selig- und Heiligsprechungsprozesse für das Bistum Regensburg 2002, S. 37; 49; 54
Der letzte regierende bayerische König, Ludwig III., wandte sich während des Ersten Weltkrieges, im Jahr 1916, an den Heiligen Vater, Benedikt XV., mit der Bitte, dieser möge die allerseligste Jungfrau und Gottesmutter Maria, die seit frühesten Tagen in Bayern mit viel Liebe verehrt und welcher das Land seit der Regentschaft des Kurfürsten Maximilian I. im 17. Jahrhundert als Schutzherrin besonders unterstellt worden ist, offiziell zur Hauptpatronin des bayerischen Landes erklären und erheben und ein Fest zu Ehren der Patrona Bavariae einführen.
Der Papst gewährte die Erfüllung dieses Wunsches mit einem entsprechenden Dekret der heiligen Ritenkongregation.
Dieses Fest – laut Dekret aus dem Jahr 1916 ein Oktavfest erster Klasse mit eigenem Messformular und eigenem Offizium – wird im neuen Ritus seit dem Jahre 1970 jedes Jahr am 1. Mai gefeiert; im alten Ritus am ersten Samstag im Monat Mai.
Dekret der Ritenkongregation vom 26. April 1916
Dekret der Ritenkongregation
Königreich BayernAn hervorragender Liebe und treuer Andacht zur seligsten Jungfrau und Gottesmutter steht das Bayerische Volk gewiß keiner katholischen Nation nach. Von dem ausgezeichneten Eifer nämlich, womit es seit alten Zeiten die Gottesmutter inständig verehrt, zeugen sehr viele Gotteshäuser, die vom 8. und 9. Jahrhundert an zu Ehren der Gottesgebärerin in Städten und Ortschaften Bayerns errichtet wurden und vielfach durch ihren mächtigen Bau und reichen künstlerischen Schmuck hervorragen. Zeugen sind ferner zahlreiche Marianische Kongregationen, denen manche Glieder der Königsfamilie beizutreten pflegen. Ebenso legt Zeugnis ab jene lobenswürdige Sitte, die von Alters her im Bayerischen Volke wurzelt, die Stirnseiten der Häuser mit Statuen oder Bildern der Jungfrau Maria zu zieren.
Glänzender noch bezeugen die Verehrung der Gottesmutter nicht wenige Wallfahrtskirchen Mariens, wie jene von Ettal, Birkenstein, Ramersdorf und andere. Vor allen diesen ragt entschieden hervor jene berühmte Kapelle, die unter den Karolingern auf dem alten Königshof zu Oettingen (daher der Name Altötting) in der jetzigen Diözese Passau neben der königlichen Pfalz erbaut und später glanzvoll ausgeschmückt wurde. Dorthin pflegen zahlreiche Gläubige aus allen Gebieten Bayerns einzeln und in großen Gruppen nach frommer Pilger Art zu wallfahren, und zwar aus allen Klassen und Ständen des Volkes, auch aus dem Königshause, um die jungfräuliche Gottesmutter zu verehren und um Hilfe zu bitten.
Höchst beachtenswert aber ist es, daß das katholische Bayernvolk nach dem Beispiele seiner Herzöge und Kurfürsten, vor allem aber nach dem Vorgange Maximilians I. aus dem Hause Wittelsbach seit dem Jahre 1620 die Sitte aufnahm, die Mutter Gottes unter dem Titel „Patronin Bayerns“ anzurufen und mit inniger Liebe zu verehren.
Um nun die besondere Hilfe der Gottesmutter in den Bedrängnissen dieses schon so lange währenden Krieges zu erflehen und um Bayerns Volk unter den steten Schutz des Himmels zu stellen, hat König Ludwig III. von Bayern zugleich mit seiner Gemahlin, der Königin Maria Theresia, nach frommem Beispiele seiner Ahnen und im Hinblicke auf die edlen Wünsche vieler Katholiken seines Reiches es unternommen, durch Seine Eminenz Kardinal Andreas Frühwirth, Apostolischen Pronuntius in Bayern, von Seiner Heiligkeit Papst Benedikt XV. zu erlangen,
1. daß die allerseligste Jungfrau und Gottesmutter Maria als Hauptpatronin der Bayern durch den Apostolischen Stuhl erklärt werde,
2. daß ein besonderes Fest dieser Jungfrau Maria unter dem Titel Patrona Bavariae alljährlich im Marienmonate, am 14. Mai, in ganz Bayern gefeiert werden dürfe unter einem entsprechenden Ritus und mit einem besonderen Offizium.
Der Heilige Vater Papst Benedikt XV. hat diese sehr willkommenen Wünsche, welche der unterzeichnete Kardinal, Propräfekt der heiligen Ritenkongregation, ihm vortrug, äußerst liebevoll entgegengenommen. Kraft seiner Vollgewalt hat er die seligste Jungfrau und Gottesmutter Maria zur Hauptpatronin des ganzen Königreiches Bayern ausdrücklich erklärt und erhoben und alle Ehrenbezeigungen und Privilegien, welche nach Rechtsgebrauch den Schutzpatronen eines Landes zukommen, ihr angewiesen. Ebenso hat er gewährt, daß in allen Diözesen des bayerischen Königreiches alljährlich am 14. Mai das Fest der seligsten Jungfrau Maria unter dem Titel Patrona Bavariae gefeiert werde, und zwar, entsprechend den Rubriken, als ein Duplexfest erster Klasse mit Oktav mit einem besonderen Brevieroffizium und einer besonderen Messe.
Nichts soll diesem Entscheid entgegenstehen.
26. April 1916
A. Kardinal, Bischof von Porto und St. Rufina.
Alexander Verde
Sekretär der hl. Ritenkongregation
folgendem Buch entnommen: Maria. Schutzfrau Bayerns. Ehrengabe für H.H. Prälat BGR Emmeram H. Ritter zum 75. Geburtstag, hrsg. v. Georg Franz X. Schwager, Verlag Abteilung für Selig- und Heiligsprechungsprozesse für das Bistum Regensburg 2002, S. 121;
dort wiederum zitiert nach: Oberhirtliches Verordnungsblatt für die Diözese Regensburg, Nr. 9 (23. Juni 1916), S. 89-92
Das Schutz- und Treueverhältnis zwischen der Gottesmutter und Bayern muss zu jeder Zeit bedacht und mit neuem Leben erfüllt werden.
Prälat BGR Emmeram H. Ritter
hier zitiert nach: Maria. Schutzfrau Bayerns. Ehrengabe für H.H. Prälat BGR Emmeram H. Ritter zum 75. Geburtstag, hrsg. v. Georg Franz X. Schwager, Verlag Abteilung für Selig- und Heiligsprechungsprozesse für das Bistum Regensburg 2002, S. 86
Post scriptum: Gebet zur Schutzfrau Bayerns für das Vaterland
Heilige Maria, Schutzfrau Bayerns,
halte deine schützende Hand über unserer bayerischen Heimat.
Halte ab von seinen Bewohnern allen leiblichen und seelischen Schaden,
bewahre uns durch deine mütterliche Fürsprache bei Gott vor Unwetter und Katastrophen, vor Krankheit, Not und Krieg.
Segne dein Land, das dir übergeben und zum Schutz anvertraut wurde,
und führe uns näher zu Jesus, deinem göttlichen Sohn. Amen.
folgendem Buch entnommen: Maria. Schutzfrau Bayerns. Ehrengabe für H.H. Prälat BGR Emmeram H. Ritter zum 75. Geburtstag, hrsg. v. Georg Franz X. Schwager, Verlag Abteilung für Selig- und Heiligsprechungsprozesse für das Bistum Regensburg 2002, S. 139
