Prälat Robert Mäder war Schweizer, wurde 1875 geboren, 1899 zum Priester geweiht und starb 1945. Sein 1937 erschienenes Werk Zurück zur Messe!, publiziert von seinem eigenen Verlag Nazareth in Basel, erreichte mich an Heiligabend 2025; irgendjemand hat das Buch im Internet günstig verkauft. Vorne eine Widmung: Ehre sei Gott in der Höhe! Weihnacht 1937 ist zu lesen, mit einem Federfüller eingetragen.
Dieses mittlerweile gemeinfreie Werk enthält viele hilfreiche und prägnant-pointierte Gedanken zur heiligen Messe.
Im ersten Teil wird es in einigen Auszügen aus Mäders Schrift um den Gedanken des Opfers gehen.
Was ist die Messe?
Wir steigen Tag für Tag auf den Kalvarienberg. Der Altar ist der Mittelpunkt des Katholizismus. Ohne Altar und Opfer wäre die Religion ein Leib ohne Herz und Seele.
Die katholische Messe ist in ihrem innersten Wesen Andenken, Erneuerung und lebendige Darstellung des Golgathadramas. (…) Wer zur Messe geht, geht nach Golgatha.
Die Messe ist die Wirklichkeit, der opfernde, blutende, betende, gnadenspendende Christus.
Ein Katholizismus ohne Liebe zur heiligen Messe ist ein Katholizismus ohne Herz.
Wenn die Messe in einem Volk nur kümmerliches Dasein fristet, dann wird der Katholizismus blutarm und schwindsüchtig. (…) Wenn aber die Messe wieder Auferstehung feiert, dann gehen wir einem neuen katholischen Frühling entgegen.
Weil die Messe der fortlebende Christus ist, darum wird sie beherrscht von einer dreifachen Idee, von der Opferidee, von der Wandlungsidee und von der Kommunionidee. Denn das Christentum, und darum die Messe, ist Hingabe, Umgestaltung, Vereinigung.
Robert Mäder: Zurück zur Messe! Verlag Nazareth 1937, S. 20; 90-91; 94; 74-75


Hohepriester Christus, stellvertretender Priester, priesterliches Volk
Die offizielle Form des Gottesdienstes ist seit Anfang der Menschheit das Opfer, die Anerkennung der obersten Eigentums- und Herrschaftsrechte Gottes über die Menschen durch die Hingabe von Eigentum und Leben. (…) Kein echter Gottesdienst ohne das Opfer Christi, d.h. ohne Messe.
Der katholische Gottesdienst ist das Opfer des Neuen Bundes. Zur Messe gehen heißt zum Opfer gehen. Nun gehören zum Opfer notwendig zwei Momente, eine Person und eine Sache. Fehlt einer von diesen beiden Momenten, so kann von einem Opfer keine Rede sein. Die Person, die bei der Opferhandlung mitwirkt, nennt man Priester. Die Sache, die hingegeben wird, ist die Opfergabe.
Verweilen wir vorerst beim Begriffe Priester. Wer ist der Priester? Wer feiert die heilige Messe, das Opfer des Neuen Bundes auf unsern Altären? In erster Linie Christus! Es gibt keine Messe außer den von Christus persönlich gefeierten. Wie das Christentum nur einen Gott kennt, so kennt es nur einen Priester, Christus (1. Tim. 2, 5). So steht es in der Schrift. So sagt der Glaube. (…) wir müssen uns in der Messe Christus am Altar denken.
Ob wir dabei den eigentlichen Opferer sehen oder nicht, ist von untergeordneter Bedeutung. Für den Glauben ist das Unsichtbare geradeso reale Wirklichkeit wie das Sichtbare. Halten wir also daran fest: Wenn eine Messe gefeiert wird, wenn im Neuen Bunde ein Opfer dargebracht wird, dann steht immer Christus am Altare. (…)
Neben dem unsichtbaren Priester steht in der heiligen Messe der sichtbare als Opferer am Altare. Christus hat bei Seiner ersten heiligen Messe, beim letzten Abendmahle, die Apostel zu Priestern geweiht (…). Und dieses Priestertum wird im Sakrament der Weihe weitergepflanzt bis ans Ende der Welt. Christus feiert Sein unblutiges Opfer nie anders als durch Vermittlung eines sichtbaren Priesters. Wie es keine Messe gibt ohne Christus, den ewigen Hohepriester, so gibt es keine Messe ohne den geweihten Stellvertreter Christi und Nachfolger der Apostel. (…)
Es gibt neben dem amtlichen Priestertum noch ein mitwirkendes Priestertum. Wer getauft ist, ist Glied am geheimnisvollen mystischen Leibe Christi geworden. Weil aber Christus als Haupt Priester ist, so folgt daraus, daß auch Seine Glieder, die Gläubigen, einen gewissen priesterlichen Charakter haben. Sie müssen deswegen, wenn das Haupt opfert, als Glieder mitopfern.
Was heißt also der heiligen Messe beiwohnen? Nichts Geringeres als sein mitwirkendes Priestertum als Glied des Hohenpriesters Christus ausüben. Die Gläubigen sind beim Messopfer keine leeren Statisten. (…) Sie wirken aktiv als Mitopferer. Nur wer sich als Mitopferer und Mitpriester in innigster Verbindung mit Christus dem Priester und dem Priester als Amtsperson beim Gottesdienst fühlt, weiß, was es heißt, in der Messe gewesen sein und Gottesdienst gehalten haben. (…) Erst in der heiligen Messe erreicht der Mensch den Höhepunkt seiner christlichen Würde auf Erden. Größer ist er nie als vor dem Altare.
Robert Mäder: Zurück zur Messe! Verlag Nazareth 1937, S. 92-93; 15-18
Königliches Priestertum
Chor und Schiff sind wie Haupt und Leib. Was Gott verbunden, soll der Mensch nicht trennen, gilt auch hier. Das Schiff muß nach vorne schauen. Das Volk muß mit dem Altar in der lebendigsten Verbindung sein. Der Gottesdienst ist nicht Sache des Priesters allein. Der Priester steht nicht als Privatperson am Altare, auch dann nicht, wenn er ganz allein in der Kirche wäre. Der Priester ist immer der Stellvertreter der Christenheit und insbesondere der anwesenden Gläubigen. Er spricht und handelt in ihrem Namen. (…)
Ihr sollt ein priesterlich Königreich sein und ein heiliges Volk (Ex. 19, 6). Das gleiche sagt der erste Papst Petrus: Ihr seid ein auserwähltes Geschlecht, ein heiliges Volk, ein königliches Priestertum (1. Petr. 2, 9). Mit andern Worten: Chor und Schiff, Priestertum und Volk, sind nicht das gleiche, aber sie gehören zusammen. Wie Seele und Leib. Betend und opfernd das eine, mitbetend und mutopfernd das andere, beide vor dem gleichen Altare. (…)
Dem Gottesdienst beiwohnen heißt aber nicht bloß mitbeten mit Volk, Priester, Christus, Kirche, sondern auch mitopfern. (…) Wahrhaftigkeit bei der Opferung! Wenn deine Messe wahrhaft ist, dann lege mit dem Priester etwas auf die Patene.
Robert Mäder: Zurück zur Messe! Verlag Nazareth 1937, S. 20-23
Opfergabe
Wie es keine Messe ohne Priester gibt, so gibt es auch keine Messe ohne Gabe. Erst Priester und Gabe zusammen machen das ganze Opfer aus. Nun wissen wir, daß die kostbare Gabe, die bei der heiligen Messe dem Allmächtigen dargebracht wird, in erster Linie der Leib und das Blut Christi ist. (…) Priester dürfen nicht mit leeren Händen vor dem Altar erscheinen. (…) Noch im Jahre 1078 verordnete Papst Gregor VII., jeder Gläubige solle mit einer Gabe zur Messe erscheinen und nicht mit leeren Händen. (…)
Die Gabe ist nur Sinnbild der Opferung des Herzens. Das ist bei der Messe die Hauptsache. (…) Eigentlich können nur großmütige Seelen die Messe verstehen, nur Opferseelen.
Robert Mäder: Zurück zur Messe! Verlag Nazareth 1937, S. 18-19
Darum beschwöre ich euch, Brüder! um der Barmherzigkeit Gottes willen, dass ihr eure Leiber als ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Opfer darstellet, so dass euer Gottesdienst geistig sei.
Römer 12: 1
Opferung
Das Grundgesetz des Christentums und darum das der Messe ist die Opferidee. (…) Was ist Opferung? Opferung ist ein Doppeltes. Bekenntnis und Tat. Die Opferung glaubt und gibt. Die auf der Patent zum Himmel gehobene Hostie zuerst ein Bekenntnis. Anerkennung der wichtigsten religiösen Tatsache: Ich bin Gottes. (…) Man muß Gott geben, was Gottes ist. (…) Wenn man mitmacht – und wir müssen bei der Messe mitmachen – dann glauben wir wieder an das souveräne göttliche Eigentumsrecht und Verfügungsrecht über alle irdischen Dinge.
Und dann kommt von selber das Zweite. Die Opferung wird spontan zu Tat und Leben. Sie wächst sich aus zur Opfergemeinschaft. Man gibt und hilft einander. Die Opferhostie wirkt gemeinschaftsbildend und gemeinschaftserhaltend.
Die Messe und darum der Sonntag ist Gottesdienst. Opfer. Hingabe des Volkes an den Allerhöchsten.
Darum das erste Grundgesetz christlichen Lebens die Opferung! Opferung muß sein. Ohne Opferung kein lebenswertes Leben. (…) Der Lebenssaft, der durch den Baum der Menschheit zirkuliert, ist der Saft des Opfers. Das Blut, das aufbauend und befruchtend durch die Adern der Gesellschaft fließt, ist das Blut des Opfers. Ohne Opfer kein Gut, keine Freude, kein Glück auf Erden! Opferung muß sein! (…) Die moderne Kultur will ein Leben ohne Opferung. Die moderne Kultur baut ohne das Fundament des Opfers. (…) Die Kultur ohne die Opferung führt zum Bankrott, weil die moderne Gesellschaft ohne und gegen die Gesetze der gesellschaftlichen Ordnung baut.
Der erste Hauptteil der Messe muß darum auch der erste Hauptteil der Gesellschaftsordnung, der religiösen, politischen und wirtschaftlichen Gesellschaftsordnung werden. Wir haben zur Stunde, wo der allgemeine Zusammenbruch droht, nichts Wichtigeres zu tun. Die ganze Menschheit aller Stände und Berufe muß sich anschicken, zum Opfergang zu schreiten und ihr Bestes auf die Patene zu legen.
Robert Mäder: Zurück zur Messe! Verlag Nazareth 1937, S. 75-78; 117; 127-128
