Der erste Schritt zur Bekehrung ist stets die demütige Erkenntnis, daß wir sie nötig haben.
P. Gabriel a S. Maria Magdalena O.C.D. in: Geheimnis der Gottesfreundschaft. Betrachtungen über das innere Leben für alle Tage des Jahres, Band 1, S. 265
Beginn der Zeit Septuagesima
Mit dem Sonntag Septuagesima beginnt eine neue liturgische Zeit, die Zeit nach Epiphanie endet. Diese Zeit, die Vorfastenzeit, umfasst die drei Wochen bis zum Beginn der Fastenzeit – bis Quadragesima, den heiligen vierzig Tagen in der Wüste. Alleluia, Gloria in excelsis Deo und auch die Hymne Te Deum im Nachtgebet der Kirche verstummen.
Die Fastenzeit bereitet uns durch besondere Anstrengungen und Übungen auf Ostern vor; die Vorfastenzeit wiederum bereitet uns auf diese Vorbereitung vor.
So schreibt Dom Prosper Guéranger O.S.B. (1805-1875), im 19. Jahrhundert Abt des Benediktinerklosters Solesmes in Frankreich, in seinem Werk L’Année liturgique (Das liturgische Jahr):
Es ist von höchster Wichtigkeit, dass eine solche Zeit der Gnade ihre Wirkung in unseren Seelen entfaltet – die Erneuerung des gesamten geistlichen Lebens. Die Kirche hat daher eine Vorbereitungszeit für die heilige Zeit der Fastenzeit eingesetzt. Sie schenkt uns die drei Wochen der Septuagesima, während derer sie uns, so weit es möglich ist, von den lärmenden Zerstreuungen der Welt zurückzieht, damit unsere Herzen umso bereitwilliger von der feierlichen Mahnung ergriffen werden, die sie uns zu Beginn der Fastenzeit gibt, indem sie unsere Stirn mit Asche bezeichnet.
Dom Prosper Guéranger
Der Sonntag Septuagesima liegt immer zwischen dem 18. Januar und dem 22. Februar.
Da die Zeit der Septuagesima vom Zeitpunkt der Osterfeier abhängt, tritt sie je nach Verschiebung dieses großen Festes früher oder später ein. Der 18. Januar und der 22. Februar werden die Schlüssel der Septuagesima genannt, weil der Sonntag, der Septuagesima heißt, im Jahreslauf weder früher als der erste noch später als der zweite dieser beiden Tage liegen kann.
Dom Prosper Guéranger
Von diesem Sonntag an sind es dann noch 63 Tage bis Ostern. Nur noch 63 Tage, neun Wochen.
Die Kirche, die Auslegerin der Heiligen Schrift, spricht häufig zu uns von zwei Orten (…). Diese beiden Orte sind Babylon und Jerusalem. Babylon ist das Sinnbild dieser sündhaften Welt, in deren Mitte der Christ die Jahre seiner Bewährung verbringen muss; Jerusalem hingegen ist das himmlische Vaterland, in dem er nach all seinen Prüfungen Ruhe finden soll.
Das Volk Israel, dessen gesamte Geschichte nichts anderes ist als ein großes Vorbild für das Menschengeschlecht, wurde aus Jerusalem verbannt und in der Knechtschaft Babylons festgehalten. Diese Gefangenschaft, die die Israeliten als Verbannte von Zion fernhielt, dauerte siebzig Jahre; und um dieses Geheimnis auszudrücken, wie Alkuin, Amalarius, Ivo von Chartres und alle großen Liturgiker berichten, setzte die Kirche für die Tage der Sühne die Zahl Siebzig fest.
Zwar liegen zwischen der Septuagesima und Ostern nur dreiundsechzig Tage; doch gebraucht die Kirche – ganz nach der in der Heiligen Schrift häufig angewandten Weise – die runde Zahl anstelle der wörtlichen und genauen.
Dom Prosper Guéranger
Und daher die Bezeichnung Septuagesima. Die heilige Zahl 7 erinnert auch an die sieben Weltzeitalter: 1. von Adam bis Noah; 2. von Noah bis Abraham; 3. von Abraham bis Moses; 4. von Moses bis David; 5. von David bis zur babylonischen Gefangenschaft inklusive; 6. von der Rückkehr nach Jerusalem bis zur Geburt des Messias; 7. von der ersten Ankunft bis zur Wiederkunft Christi.
Nach der Septuagesima der Trauer werden wir das lichtvolle Osterfest mit seinen sieben Wochen der Freude begehen, das die Glückseligkeit und Freude des Himmels vorwegnimmt.
Dom Prosper Guéranger
Jacobus de Voragine verbindet in der Legenda Aurea die Zeit von Septuagesima bis Ostern mit der „Zeit der Verirrung, die da von Adam währt bis Moyses“:
Septuagesima bezeichnet die Zeit der Verirrung; Sexagesima bezeichnet die Zeit eines verwitweten Lebens; Quinquagesima bezeichnet die Zeit der Vergebung oder des Ablasses; Quadragesima bezeichnet die Zeit der geistlichen Reue.
(…) daß diese Zeit bezeichnet eine Verirrung, eine Verbannung, und eine Betrübnis des ganzen menschlichen Geschlechts von Adam bis an das Ende der Welt. (…) Darum so legen wir in der ganzen Zeit der Verirrung und der Verbannung die Gesänge der Freude hin (…). (…) Auch singen wir in dieser Zeit nach dem Halleluja ein Tractum, zu einem Zeichen der Arbeit, die wir noch haben sollen, Gottes Gebote zu erfüllen.
In dieser Zeit der Verbannung ist die Kirche in großer Betrübnis und vor dem Abgrund der Verzweiflung; darum erseufzt sie von Grund des Herzens (…).
Legenda Aurea. Das Leben der Heiligen erzählt von Jacobus de Voragine, Gütersloher Verlagshaus, S. 132-133
Babylonische Gefangenschaft
Dom Prosper Guéranger lässt in seinen Ausführungen zur Zeit Septuagesima keinen Zweifel daran, dass die Zeit der Umkehr und Buße schon beginnt, wenn auch das strenge Fasten erst später beginnen mag, denn die Liturgie der Kirche lässt uns dies mit ihren Gebeten, Lesungen und den violetten Gewändern der Priester unzweifelhaft wissen.
Wir sind Fremdlinge auf dieser Erde; wir sind Verbannte und Gefangene in Babylon, jener Stadt, die unseren Untergang plant. Wenn wir unser Vaterland lieben – wenn wir uns danach sehnen, zu ihm zurückzukehren –, müssen wir den trügerischen Verlockungen dieses fremden Landes widerstehen, den Becher zurückweisen, den sie uns reicht und mit dem sie so viele unserer Mitgefangenen berauscht.
Sie lädt uns ein, an ihren Festen und ihren Liedern teilzunehmen; doch wir müssen unsere Harfen entspannen und sie an die Weiden hängen, die an den Ufern ihres Flusses wachsen, bis das Zeichen zur Rückkehr nach Jerusalem gegeben wird (Ps 115). Sie wird uns auffordern, ihr die Weisen unseres geliebten Zion zu singen; doch wie könnten wir, so fern der Heimat, das Lied des Herrn in einem fremden Land singen? (Ps 136)
Nein – es darf kein Zeichen dafür gegeben werden, dass wir uns mit der Knechtschaft abfinden; sonst würden wir es verdienen, auf ewig Sklaven zu bleiben. Dies sind die Gesinnungen, zu denen die Kirche uns in der Bußzeit, die wir nun beginnen, erziehen will.
Dom Prosper Guéranger
Unsere Sünden führen uns in Ketten in die Fremde, ins Exil, nachdem der Widersacher unserer Seele gegen Jerusalem zu Felde gezogen ist, um die Stadt zu verwüsten, die Schätze zu rauben, die edelsten Bewohner der Stadt gefangen zu nehmen.
Ich will unter ihnen den Ruf der Freude und den Laut des Frohlockens, die Stimme des Bräutigams und die Stimme der Braut, das Geräusch der Mühle und das Licht der Lampe aufhören lassen. Und dies ganze Land soll zur Wüstenei und zum Gegenstand des Entsetzens werden und alle diese Völker sollen dem Könige von Babylon dienstbar werden siebzig Jahre lang.
Jeremia 25: 10-11
Nabuchodonosor, der König von Babylon, zog mit seinen Knechten gegen die Stadt heran, um sie zu belagern. Da begab sich Joachin, der König von Juda, zu dem Könige von Babylon hinaus, er selbst, seine Mutter, seine Diener, seine Fürsten und seine Kämmerer; und der König von Babylon nahm ihn im achten Jahre seines Reiches gefangen. Auch nahm er von dort alle Schätze des Hauses des Herrn und die Schätze des königlichen Hauses weg und zerschlug alle goldenen Geräte, welche Salomon, der König von Israel, im Tempel des Herrn gemacht hatte, nach dem Worte des Herrn; und er führte ganz Jerusalem und alle Fürsten und alle Tapfern des Heeres, zehntausend, fort in die Gefangenschaft, dazu alle Werkleute und Schlosser; und nichts blieb zurück, als das arme Volk des Landes. Auch Joachin führte er nach Babylon weg, sowie die Mutter des Königs und die Frauen des Königs und seine Kämmerer; und die Richter des Landes führte er von Jerusalem in die Gefangenschaft nach Babylon, zudem alle starken Männer, siebentausend, und die Werkleute und die Schlosser, tausend, alle tüchtigen und kriegsgeübten Männer: diese führte der König von Babylon als Gefangene nach Babylon.
2. Könige 2: 11-16
Wie aber lebt man in Babylon, wenn man die Hoffnung auf eine Rückkehr nach Jerusalem aufrechterhalten und nähren will? Man fastet – wie Daniel. Man nimmt am Banquet des Königs von Babylon nicht teil.
Daniel aber nahm sich in seinem Herzen vor, sich nicht durch des Königs Kost noch durch den Wein, den dieser trank, zu verunreinigen und bat den Oberkämmerer, zu machen, dass sie nicht befleckt würden. Gott aber ließ Daniel Gnade und Erbarmen vor dem Angesichte des Oberkämmerers finden. Und der Oberkämmerer sprach zu Daniel: Ich fürchte mich vor meinem Herrn, dem Könige, der euch Speise und Trank angewiesen hat; denn wenn dieser sieht, dass euer Gesicht magerer ist als das der andern Jünglinge eures Alters, so werdet ihr mein Haupt bei dem Könige in Schuld bringen.
Da sprach Daniel zu Malasar, den der Oberkämmerer über Daniel, Ananias, Misael und Azarias gesetzt hatte: Versuche es doch mit deinen Knechten zehn Tage, dass man uns nur Gemüse zu essen gebe und Wasser zu trinken. Alsdann prüfe unser Aussehen und das Aussehen der Jünglinge, welche von den Speisen des Königs genießen; und wie es dir gut dünkt, magst du dann mit deinen Knechten verfahren.
Er hörte auf diese Worte und versuchte es mit ihnen zehn Tage. Nach Verlauf von zehn Tagen aber erschien ihr Aussehen besser und voller als das aller der Jünglinge, welche von den königlichen Speisen zu genießen pflegten.
Da nahm Malasar die für sie bestimmte Speise und den Trank und gab ihnen Gemüse. Gott aber verlieh diesen Jünglingen Kenntnis und Einsicht in aller Schrift und Weisheit, dem Daniel aber die Gabe, alle Gesichte und Träume zu verstehen.
Daniel 1: 8-17
Die mit Wasser und Gemüse Fastenden sind kräftiger als die, die sich mit Fleisch und allen weiteren Speisen stärken, und erhalten Gnadengaben der Weisheit. Das ist das Besondere an der Fastenzeit.
An den Strömen Babylons soll man Jerusalem, die Heimat, nicht vergessen, sondern sich nach der Rückkehr in die Heilige Stadt sehnen:
An den Strömen Babylons, dort saßen wir und weinten, indem wir Sions gedachten. An den Weiden, in des Landes Mitte, hingen wir unsere Harfen auf. Denn die uns gefangen fortgeführt, forderten daselbst von uns Lieder, und die uns hinweggeschleppt hatten, sprachen: „Singet uns ein Loblied von Sions Liedern!“
Wie sollten wir des Herrn Lied singen in fremdem Lande? Wenn ich dein vergesse, Jerusalem, so möge meine Rechte der Vergessenheit anheimfallen.
Meine Zunge klebe an meinem Gaumen, wenn ich deiner nicht gedenke, wenn ich Jerusalem nicht achte als den Gipfel meiner Freuden!Psalm 136 (137): 1-6
Meine Tränen waren meine Speise Tag und Nacht.
Gott, mein Leben habe ich Dir kundgetan; Du liessest meine Tränen vor Dich kommen.
Laut rief ich zum Herrn, und Er erhörte mich von seinem heiligen Berg.
Antiphone der Laudes in der Fastenzeit (beginnend mit der 1. Vesper des Sonntags Septuagesima) im Kleinen Marianischen Offizium, herausgegeben vom Heiligen Stuhl im Jahre 1953 unter Papst Pius XII
Arbeit im Weinberg und Bereitschaft zum geistlichen Kampf
Die Weihnachtszeit ist vorüber. Einige Wochen lang zu Beginn des neuen Jahres haben wir von der Geburt des Erlösers in Bethlehem gelebt und uns von dieser Freude über den Anbruch unserer Erlösung genährt.
Doch nun werden wir durch das Messformular des Sonntags Septuagesima an diese Wahrheiten erinnert: unsere Sünden, ihr Elend und ihre Konsequenzen; Gottes Gerechtigkeit und Gottes Barmherzigkeit; und auch daran, dass im Weinberg gearbeitet werden muss anstatt müßig zu bleiben (Evangelium) und „dass die Läufer in der Rennbahn zwar alle laufen, dass aber nur einer den Siegespreis gewinnt“ und wir so laufen sollen, dass wir ihn erlangen – indem wir, wie jeder Wettkämpfer es täte, „in allem Enthaltsamkeit“ üben, um einen „unvergänglichen Kranz zu gewinnen“. Dazu ist es nötig, den Leib zu züchtigen und ihn sich dienstbar zu machen, wie der heilige Apostel Paulus im Brief an die Gemeinde in Korinth schreibt, welcher die Lesung am Sonntag Septuagesima bildet.
Hat unsere göttliche Sonne der Gerechtigkeit, die so strahlend in Bethlehem aufgegangen ist, nun ihren Lauf angehalten und unsere schuldige Erde verlassen? Keineswegs. Der Sohn Gottes, das Kind Mariens, hat uns nicht verlassen. Das Wort ist Fleisch geworden, um unter uns zu wohnen.
Eine Herrlichkeit, weit größer als jene seiner Geburt, als Engel ihre Hymnen sangen, erwartet ihn – und wir sollen an ihr teilhaben. Doch muss er diese neue und höhere Herrlichkeit durch seltsame, unzählige Leiden erringen; er muss sie durch einen äußerst grausamen und schmählichen Tod erkaufen. Und wir, wenn wir Anteil am Triumph seiner Auferstehung haben wollen, müssen ihm auf dem Weg des Kreuzes folgen, ganz benetzt von den Tränen und dem Blut, die er für uns vergossen hat.
Bald wird die ernste, mütterliche Stimme der Kirche vernehmbar werden, die uns zur Buße der Fastenzeit einlädt; doch möchte sie, dass wir uns auf diese mühevolle Taufe vorbereiten, indem wir diese drei Wochen dazu verwenden, die tiefen Wunden zu betrachten, die die Sünde unseren Seelen geschlagen hat.
Dom Prosper Guéranger
Welcher Geist soll in dieser nun beginnenden liturgischen Zeit in uns geweckt werden?
Aus all dem geht klar hervor, dass der Christ, der die Septuagesima im Geist der Kirche begehen will, Krieg führen muss gegen jene falsche Sicherheit und Selbstzufriedenheit, die bei weichlichen und lauen Seelen so verbreitet sind und geistliche Unfruchtbarkeit hervorbringen. (…)
Wer meint, von jener ständigen Wachsamkeit entbunden zu sein, die unser göttlicher Meister so eindringlich fordert, befindet sich bereits in der Macht des Feindes. Wer kein Bedürfnis nach Kampf und Ringen verspürt, um in der Tugend zu verharren und Fortschritte zu machen – es sei denn, er wäre mit einem Vorrecht geehrt worden, das zugleich selten und gefährlich ist –, der muss fürchten, nicht einmal auf dem Weg zu jenem Reich Gottes zu sein, das nur durch Gewalt errungen wird. Wer die Sünden vergisst, die Gottes Barmherzigkeit ihm vergeben hat, sollte fürchten, Opfer einer gefährlichen Täuschung zu werden.
Lasst uns daher in diesen Tagen, die wir der ehrlichen und unbeirrten Betrachtung unserer Erbärmlichkeiten widmen wollen, unserem Gott die Ehre geben und aus der Erkenntnis unserer selbst neue Gründe des Vertrauens schöpfen auf Ihn, der sich trotz all unserer Armseligkeit und Sünde so tief erniedrigt hat, dass er einer von uns wurde, um uns bis zur Vereinigung mit sich selbst zu erheben.
Dom Prosper Guéranger
Der erste Weinberg, den wir zu pflegen haben, ist unsere Seele.
P. Gabriel a S. Maria Magdalena O.C.D. in: Geheimnis der Gottesfreundschaft. Betrachtungen über das innere Leben für alle Tage des Jahres, Band 1, S. 266-267
Außer dem Weinberg unserer Seele müssen wir noch den Weinberg der Kirche beachten, in dem so viele Seelen darauf warten, von Christus erobert zu werden. (…) Alle haben die Möglichkeit zu wirksamer apostolischer Tätigkeit durch Beispiel, Gebet und Opfer.
Denn schon ist der Winter vorüber, der Regen hat aufgehört und ist vergangen; schon erscheinen die Blumen in unserem Lande, die Zeit ist gekommen, den Weinstock zu beschneiden, die Stimme der Turteltaube lässt sich in unserem Lande hören; der Feigenbaum setzt seine Knoten an, die Weinberge blühen und hauchen ihren Duft. Mache dich auf, meine Freundin, meine Schöne, und komm! Meine Taube in den Felsenklüften, in der Höhlung des Gesteins, lass mich dein Angesicht schauen, lass deine Stimme in meine Ohren tönen! denn deine Stimme ist süß und dein Angesicht hold. Fanget uns die kleinen Füchse, welche die Weinberge verwüsten; denn unser Weinberg steht in der Blüte.
Hohelied 2: 11-15
Für den Weinberg der Seele ist es mit dem beginnenden Frühling Zeit, „den Weinstock zu beschneiden“ – und die Füchse, die Laster, zu fangen, „welche die Weinberge verwüsten“.
Die erste Arznei ist, so sie ihrer Gebresten gänzlich will ledig sein, daß sie in dem Weingarten ihrer Seele arbeite und alle Fehl und Sünden abschneide. Die andere ist, daß sie laufe in der Rennbahn des gegenwärtigen Lebens mit Werken wahrer Reue. Die dritte ist, daß sie fechte mit ganzem Vermögen wider des Teufels Anfechtung. Hierfür wird ihr gegeben dreifältiger Lohn; denn dem, der da arbeitet, wird der Groschen zu Lohn gegeben; dem, der da läuft, dem wird der Preis zuteil; dem, der da ficht, die Krone des ewigen Lebens. Oder, da doch Septuagesima das Gleichnis unserer Gefangenschaft ist, so sind uns die Mittel geboten, aus ihr zu kommen: durch den Lauf mögen wir ihr entrinnen, durch den Kampf uns aus ihr befreien, durch den Groschen uns von ihr loskaufen.
Legenda Aurea. Das Leben der Heiligen erzählt von Jacobus de Voragine, Gütersloher Verlagshaus, S. 134
Meine Waffen zum Kampfe sollen sein: Gebet, Wandel in der Gegenwart Gottes und Schweigen.
P. Gabriel a S. Maria Magdalena O.C.D. in: Geheimnis der Gottesfreundschaft. Betrachtungen über das innere Leben für alle Tage des Jahres, Band 1, S. 268
